Aus der Naturheilkunde: Wissen rund ums Frausein


Samstag, 22.05.2021

Das Werden eines neuen Lebens

von Melanie Aue

Ein neues Leben - das ist eines der größ­ten Wun­der un­se­rer Natur. Und selbst nach­dem ich per­sön­lich zwei wun­der­ba­re Kin­der ge­bo­ren habe und ei­ni­ge Frau­en in mei­ner Pra­xis wäh­rend ihrer Schwan­ger­schaft be­glei­ten durf­te, bin ich immer wie­der de­mü­tig ge­gen­über der Schöp­fer­kraft und dank­bar, all diese wun­der­vol­len Frau­en und Müt­ter wäh­rend ihrer Schwan­ger­schaft be­glei­ten zu dür­fen und so immer wie­der die­ses Wun­der mit­zu­er­le­ben.

Na­tür­lich pas­siert bei der Ent­ste­hung des neuen Le­bens ganz viel: im Kör­per und auch in der Seele. Seit Ur­zei­ten haben sich Heil­kun­di­ge und Ge­lehr­te Ge­dan­ken über die Ent­wick­lung eines neuen Le­bens ge­macht.

Das neue Leben

Ein neues Leben ist jedes Mal wie­der ein neues Wun­der. Und woher der An­trieb für die Zel­len kommt, sich zu tei­len, sich in der Ge­bär­mut­ter ein­zu­nis­ten, sich in viel­fäl­tigs­te Ge­we­be aus­zu­dif­fe­ren­zie­ren und mensch­li­ches Leben her­vor­zu­brin­gen, wer­den wir auf wis­sen­schaft­li­che Weise viel­leicht nie her­aus­fin­den. Es ist für un­se­ren Geist un­vor­stell­bar, wie sich die Schöp­fung in sei­ner Voll­kom­men­heit ver­wirk­licht. Und alles passt zu­sam­men. Mut­ter und Kind bil­den eine Sy­ner­gie. Der Vater na­tür­lich auch, er hat ja auch zum Er­folg bei­ge­tra­gen.

In der Chi­ne­si­schen Me­di­zin geht man davon aus, dass sich Ma­te­rie und Ener­gi­en gleich­zei­tig ent­wi­ckeln. Be­reits bei der Be­fruch­tung ent­wi­ckelt sich die erste Ener­gieleit­bahn, der so­ge­nann­te Wun­der­me­ri­di­an Chong Mai. Durch die erste Zell­tei­lung ent­wi­ckeln sich zwei wei­te­re Wun­der­me­ri­dia­ne, durch die sich vorn und hin­ten und damit die Dua­li­tät un­se­res Le­bens bil­det: Yin und Yang.

Wäh­rend sich in der Schwan­ger­schaft die Me­ri­dia­ne dei­nes Baby erst ent­wi­ckeln, durch­lau­fen sie bei der Mut­ter ei­ni­ge Ver­än­de­run­gen und An­pas­sun­gen, um das Baby mit Ener­gie und Blut zu ver­sor­gen. Da­durch kön­nen vor allem in den ers­ten drei Schwan­ger­schafts­mo­na­ten Sym­pto­me ent­ste­hen wie Übel­keit, Er­bre­chen, Hit­ze­ge­fühl oder Brust­span­nen. Auch die stär­ke­re Pig­men­tie­rung der Kör­per­mit­te, der Areo­la und der Brust­per­le sind auf die Ver­än­de­run­gen der Me­ri­dia­ne zu­rück­zu­füh­ren.

Zehn Mo­na­te

Nach den Theo­ri­en der Chi­ne­si­schen Me­di­zin wird die Dauer einer Schwan­ger­schaft nicht in neun Ka­len­der­mo­na­ten be­schrie­ben, son­dern in zehn Mond­mo­na­ten. Auch in un­se­rer Kul­tur leb­ten die Men­schen in alter Zeit nach einem Mond­zy­klus. Die Mond­pha­sen be­stimm­ten Aus­saat und Ernte und auch den Zy­klus der Frau. Mit Be­ginn des Pa­tri­ar­chats und der An­pas­sung des Ka­len­ders an den Son­nen­rhyth­mus ge­rie­ten die zy­kli­schen Mon­dab­läu­fe in den Hin­ter­grund.

Wie auch immer: In der Chi­ne­si­schen Me­di­zin rech­nen wir für das Heran­wach­sen des neuen Er­den­menschen einen Zeit­raum von zehn Mond­mo­na­ten. Etwa alle vier Wo­chen wird ein Me­ri­di­an be­son­ders gut mit Ener­gie ver­sorgt. Gleich­zei­tig wer­den die­sem Me­ri­di­an auch be­stimm­te Na­tur­phä­no­me­ne und Kräf­te zu­ge­ord­net. Im Grun­de ist es wie bei den Ele­men­ten: Schwan­ger­schafts­mo­na­te sind Wand­lungs­pha­sen. Sie ent­spre­chen dem Wer­den, dem Rei­fen, dem Ab­schied­neh­men. Es sind die Grund­kräf­te der Natur.

Die In­kar­na­ti­on

Vi­el­leicht ge­hört das zu den größ­ten Rät­seln un­se­rer Er­den­le­bens. Wie kommt un­se­re Seele in den Kör­per? Und wann? Die Wel­t­an­schau­ung nach Ru­dolph Stei­ner bie­tet dar­auf Ant­wor­ten. Laut sei­ner an­thro­po­so­phi­schen Lehre be­her­ber­gen die Pla­zen­ta, die Na­bel­schnur und das Frucht­was­ser den Geist, die Seele und die Le­bens­kraft. Letz­te­re er­mög­licht die Le­ben­spro­zes­se wie Wachs­tum, Hei­lung und Fort­pflan­zung. Wäh­rend der gan­zen Schwan­ger­schaft ist der kind­li­che Kör­per dem­nach noch von den im­ma­te­ri­el­len An­tei­len, die Stei­ner  We­sen­glie­der nennt, ge­trennt. Erst zum Zeit­punkt der Ge­burt gehen diese We­sens­glie­der kom­plett auf das Baby über, wäh­rend deren Be­hau­sun­gen ab­ster­ben.

Zahl­rei­che Ab­bil­dun­gen an­ti­ker Kul­tu­ren zeu­gen von ri­tu­el­len Nach­ge­burts­be­stat­tun­gen, die den Be­hau­sun­gen der hö­he­ren We­sens­glie­dern (ich nenne sie der Ein­fach­heit hal­ber Le­bens­kraft, Seele und Geist) Ehre zol­len. Ich emp­fin­de das als eine große Wert­schät­zung an die Schöp­fung. Wie wun­der­bar wäre es, wenn auch heut­zu­ta­ge un­se­re Kli­ni­ken die Nach­ge­burts­or­ga­ne wür­di­gend und nicht wie Müll be­han­deln wür­den.


Mehr zum WERDEN EINES NEUEN LEBENS, zur SCHWANGERSCHAFT und der BEGLEITUNG mit der Chi­ne­si­schen Me­di­zin gibt es als ebook - dem­nächst hier er­hält­lich. 


Li­te­ra­tur:
ei­ge­ne Auf­zeich­nun­gen aus Se­mi­na­ren von Bir­git Krie­ner und Fort­bil­dun­gen
Bar­tho­lo­meus Maris, Frau­en­heil­kun­de und Ge­burts­hil­fe, ISBN 978-3-928014260; sa­lu­med Ver­lag
Gio­van­ni Ma­cio­cia: Gynä­ko­lo­gie und Ge­burts­hil­fe in der Chi­ne­si­schen Me­di­zin, ISBN 978-437-58465-7

Fotos:
Lilli Aue Fo­to­gra­fie


Diesen Artikel teilen



Hinweis:

Sicherlich haben Sie es schon bemerkt: Als Heilpraktikerin sehe die Welt nicht nur mit wissenschaftlichen Augen, sondern räume auch geist-seelischen Prozessen einen Platz ein. Deshalb unterscheiden sich meine Theorien und Empfehlungen von der pathophysiologischen Lehrmeinung der Schulmedizin und werden von dieser auch nicht anerkannt.

Deshalb beachten Sie bitte, dass die hier aufgeführten Theorien und Anleitungen auf Erfahrungen naturheilkundlicher Therapeuten beruhen und wirklich nur als Empfehlungen zur Selbsthilfe gedacht sind. Auf keinen Fall ersetzen sie den Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker. Deshalb meine Bitte: Lassen Sie alle Ihre Beschwerden und Erkrankungen schulmedizinisch abklären, bevor Sie sich selbst behandeln. 


Bestellung Newsletter PINNWANDSie möchten gern regelmäßig die neuesten Infos erhalten?
Dann können Sie hier meinen Newsletter PINNWAND abonnieren.
Er erscheint etwa 4x / Jahr.