
Thursday, 25.06.2026
Die Rundum-Atmung – Entspannung für den Rücken
von Melanie Aue
Früher dachte ich immer: Wozu soll ich mich mit dem Atmen beschäftigen? Atmen kann doch jeder. Wozu so ein Gedöns darum?
Dass ich mit dieser Vorstellung nicht allein war, zeigt die Tatsache, dass wir Europäer durchschnittlich gerade mal so viel atmen, dass wir nicht ersticken. Auch bei meinen Patientinnen erlebe ich es. Denn bei der Pulstastung, die ein wichtiger Bestandteil für die chinesische Diagnose ist, wird die Anzahl der Pulsschläge mit denen der Atemzüge in Relation gesetzt. Manchmal kann ich die Atemzüge meiner Patientinnen aber überhaupt nicht ausmachen, weil ihre Atmung so flach ist.
Und das ist nicht nur schade, sondern hat einen Einfluss auf die Gesundheit.
Was genau die bewusste Atmung bewirkt und wie du sie gesundheitsfördernd einsetzt, liest du in diesem Artikel.
Und ganz am Ende findest du die Rundum-Atemübung.
- Mein erster Kontakt mit Atemübungen
- Tiefes Atmen hat einen Einfluss auf deinen Stoffwechsel
- Tiefes Atmen hat einen Einfluss auf deine Hormonbalance
- Tiefes Atmen fördert deine Entspannung
- Tiefes Atmen fördert deine Präsenz im Augenblick
- Die Rundum-Atemübung

Foto von Patrick Malleret auf Unsplash - thanks:)
Mein erster Kontakt mit Atemübungen
Das Atmen ist die erste und letzte Handlung im Leben. Für alle Menschen dieser Erde.
Erstmals hat mich das Leben selbst mit einer tiefen Atmung konfrontiert. Als Kind war ich schwer an Asthma erkrankt und um in den Anfällen gezielt zu atmen, nicht in Panik zu fallen und gleichzeitig die Anfallsstärke zu mildern, habe ich Atemübungen gelernt. Und ich fand sie allesamt langweilig. Nichtsbringend. Affig.
Ich habe sie nicht lange gemacht (eigentlich nur, wenn meine Mutter es kontrolliert hat).
Heute denke ich jedoch ganz anders darüber.
In der fernöstlichen Lehre wird der Atmung eine große Bedeutung zugemessen. Kein Yoga ohne Atemtechniken. So auch Qi Gong und Tai Chi. Beide asiatischen Praktiken verbinden Körper und Geist mit dem Atem.
Vor vielen Jahren habe ich bei meiner weisen Lehrerin Dr. Rosina Sonnenschmidt vieles über die tiefe Atmung gelernt. Rosina selbst hat über längere Zeit eine Zenschulung durchlaufen. Zen bringt den Menschen zurück an den Ursprung, in die Bewusstheit und damit auch in eine bewusste Atmung.
Die Atem-Meditation war in der Zen-Ausbildung ein Teil der täglichen Übungen. Ein Jahr lang zählte Rosina ihre Ausatemzüge: von 1 bis 10 und wieder von vorn. Immer wieder. Minutenlang. Stundenlang. Im folgenden Jahr zählte sie die Einatemzüge und im dritten Jahr die Ein- und Ausatemzüge. Immer von 1 bis 10. Immer in Wiederholung. Immer stundenlang.
Für uns Europäer kaum vorstellbar. Aber dennoch bewirkt die Lenkung des Bewusstseins auf die Atmung nicht nur eine Verbesserung und Vertiefung der Atmung, sondern eine Erweiterung der Wahrnehmung auf körperlicher und geistiger Ebene.
Und damit ist sie ein wichtiger Verbündeter im Heilungsprozess.
Tiefes Atmen hat einen Einfluss auf deinen Stoffwechsel
Der Bauchraum wird zum Brustkorb durch dein Zwerchfell begrenzt. Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel. Wenn du tief in den Bauch atmest, erhöht sich das Volumen im Brustkorb und das Zwerchfell senkt sich einige Zentimeter. Dadurch werden die Bauchorgane sanft massiert. Gleichzeitig dehnt sich auch dein Bauch aus, so dass die Organe, also Leber, Magen, Milz, Bauchspeicheldrüse und der Darm, mehr Raum haben. Mehr Raum bedeutet: eine bessere Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen und gleichzeitig eine effektivere Entsorgung von Stoffwechselendprodukten.
Tiefes Atmen hat einen Einfluss auf deine Hormonbalance
In deinem Bauch befinden sich auch die Nebennieren, die eine wichtige Funktion bei der Hormonproduktion ausüben und deine Stresshormone steuern. Sie beeinflussen deinen Blutdruck, deinen Schlaf und sogar deinen Zyklus.
Eine flache und oberflächliche Atmung signalisiert deinem Körper Gefahr. Darauf reagieren die Nebennieren und schütten Cortisol aus, woraufhin Blutdruck und Herzschlag gesteigert werden.
Da es in einer Stresssituation um das Überleben geht, werden Hormone für deinen Zyklus und die Fruchtbarkeit reduziert. Und es ergibt sich auch eine Beeinflussung deiner Schilddrüsenhormone.
Die tiefe Atmung hingegen aktiviert den Entspannungsnerv. Das entspannt dich nicht nur geistig, sondern auch dein Hormonsystem.
Tiefes Atmen fördert deine Entspannung
Nicht nur das Rausnehmen aus dem Alltag als solches, sondern die Atmung selbst hat einen großen Einfluss auf Stress oder Entspannung. Die tiefe Atmung trainiert deinen Entspannungsnerv, den Nervus vagus. Damit beeinflusst die tiefe Atmung dein ganzes System, körperlich und geistig. Die Muskeln entspannen sich, der Herzschlag wird langsamer, der Blutdruck kann sich senken und dein Geist kommt zur Ruhe.
Tiefes Atmen fördert deine Präsenz im Augenblick
Meine Lehrerin Rosina Sonnenschmidt hat mir schon vor vielen Jahren verdeutlicht:
Tiefe Atmung fördert dein Bewusstsein.
In dem Moment, in dem du tief in den Bauch atmest, nimmst du deinen Körper bewusst wahr.
Dich selbst.
Deine Bedürfnisse.
Das zentriert dich.
Du erlebst mehr Dankbarkeit. Öfter den Moment, den Augenblick. Und das verändert dein Leben.

Photo by Julian Hanslmaier on Unsplash Thanks!
Die Rundum-Atemübung
… fördert die Harmonie deiner Bauchorgane, deines Hormonsystems, deinen Stoffwechsel und natürlich dein Kreislaufsystem. Auch dein Rücken profitiert. Denn das Zwerchfell ist an deiner Wirbelsäule fixiert. Ist das Zwerchfell angespannt, verkürzt es sich und zieht an der Wirbelsäule, was du als Rückenschmerzen wahrnehmen kannst.
Mit der Übung kannst du demnach deine Gesundheit auf allen Ebenen fördern.
So geht's:

- Setze dich auf einen Stuhl, möglichst ohne dich anzulehnen. Natürlich funktioniert die Übung auch im Schneidersitz oder auf einem Meditationskissen.
- Richte die Wirbelsäule auf und stelle dir vor, auf dem Kopf ein Krönchen zu tragen.
- Entspanne Kiefer, Zunge und den Bauch. Lass locker.
- Lasse deinen Atem für ein paar Atemzüge ruhig in deinen Bauch strömen.
Anfangs kannst du die Hände auf deinen Bauch, um in die Bauchatmung zu kommen. - Richte deine Aufmerksamkeit auf deine Lendenwirbelsäule. Wenn du die Hände zur Hilfe nimmst, kannst du die feinen Bewegungen des Zwerchfells an den Flanken und am Rücken spüren.
- Atme so einige Minuten lang und bleibe mit der Konzentration bei den Atembewegungen des unteren Rückens.

22. Juni 2026________________:)
Literatur:
Mitschriften Seminare Rosina Sonnenschmidt, Korinna Sönholz
Wichtige Hinweise:
In meinem Blog 'Natürlich. Gut zu wissen' findest du vielfältige Informationen zur Naturheilkunde. Dabei handelt es sich um Theorien zur Naturheilkunde, um Rezepte, Anleitungen, um Anregungen für Ihre Gesundheit, Gedichte oder Gedanken.
Und da ich als Heilpraktikerin die Welt nicht nur mit wissenschaftlichen Augen sehe, sondern auch geist-seelischen Prozessen einen großen Platz einräume, unterscheiden sich meine Theorien und Empfehlungen in diesen Artikeln von der pathophysiologischen Lehrmeinung der Schulmedizin und werden von dieser auch nicht anerkannt.
Letztendlich beruhen die hier aufgeführten Theorien und Anleitungen auf Erfahrungen einiger naturheilkundlicher Therapeuten und sind wirklich nur als Empfehlungen zur Selbsthilfe gedacht. Auf keinen Fall ersetzen sie den Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker. Deshalb meine Bitte: Lass alle deine Beschwerden und Erkrankungen schulmedizinisch abklären, bevor du dich selbst behandelst.

