
Saturday, 28.03.2026
Dein Essen: Kaltes vs. Warmes
Kalt ist nicht kalt - und warm ist nicht warm. Schon verrückt, die chinesische Medizin, oder? Aber im Grunde sehr weise. Denn jedes Lebensmittel beeinflusst deinen Stoffwechsel durch seine thermische Wirkung. Und das umfasst zwei Aspekte: die Temperatur, die es hat, wenn du es isst und die Wirkung, die es NACH dem Essen im Körper entfaltet.
In diesem Artikel liest du
- Alles, was in den Magen kommt, soll warme Suppe sein
- Jedes Lebensmittel hat eine thermische Wirkung
- Die Sache mit der Kuhmilch
- Pauschale Empfehlungen für Menschen im Deutschland- Klima
Alles was in deinen Magen kommt, soll warme Suppe sein...
Georg Weidinger
... und hast du keine Zeit, dein Essen gut zu kauen, einzuspeicheln und anzuwärmen, iss lieber gleich eine warme Suppe, denn die verdaut sich quasi von allein. Gelangen jedoch wiederholt kalte Nahrungsmittel in deinen Magen, löschen sie das Verdauungsfeuer. Notwendige Stoffwechselprozesse können dann nicht mehr befriedigend ablaufen, es fehlt einfach die Wärme, die die Stoffwechselaktivität anfeuert. Dadurch fallen vermehrt "Schlacken" an, also nicht verstoffwechselte Endprodukte. Diese sammeln sich im Körper und machen sich als Symptome bemerkbar: Übergewicht, Cellulite, Schleim in Bronchien oder Unterleib, Gallensteine, Myome und viele, viele mehr. Ein gelöschtes Verdauungsfeuer ist also nichts, was für die Gesundheit gut ist.

Jedes Lebensmittel hat eine thermische Wirkung
Nicht nur kalte Speisen können dein Verdauungsfeuer löschen, sondern auch bestimmte Lebensmittel. Denn jedes Lebensmittel hat eine thermische Wirkung im Körper. Du kennst dieses Phänomen von Chili, Ingwer oder Alkohol. Diese Lebensmittel erzeugen Wärme und können dir zu warmen Händen und Füßen verhelfen. Dagegen führen Eis, Gurken oder Melonen zu einer Abkühlung des Körpers, weshalb sie auch zu unseren typischen Sommererfrischungen zählen. Bei den genannten Lebensmitteln ist die thermische Wirkung also ganz offensichtlich. Nicht so offensichtlich ist die Wirkung jedoch bei Ananas, Tomaten oder Käse.
Da ist die Erfahrung, die die Heilkundigen in vielen Jahrhunderten gesammelt haben, ausschlaggebend. Hier siehst du eine klitzekleine Liste, um überhaupt ein Gefühl für die thermische Wirkung zu bekommen:
| Thermik | Wirkung im Körper | Lebensmittel | ||
|---|---|---|---|---|
| kalt | kühlen bei Hitze | Tiefkühlprodukte (=eiskalt) Chicorée, Gurke, Spargel, Tomate, Orangen, Papaya, Ananas, ... | ||
| kühl | stärken Blut und Säfte | Dinkel, Hirse, Weizen, Brokkoli, Champion, Kürbis, Rotkohl, Rote Bete, Beeren, Apfel, Sprossen... | ||
| neutral | bauen Qi auf | Kartoffeln, Karotten, Kohlrabi, Weißkohl, Pflaume, Reis, Linsen, Cashewkerne, Käse, Ei... | ||
| warm | regen an und fördern Verdauung | Grüner, Hafer, Fenchel, Lauch, Aprikose, Dattel, Feta, Anis, Nelke, Ingwer, Thymian... | ||
| heiß | wärmen bei Kälte | Knoblauch, scharfe Gewürze, Chili, Pfeffer, Rotwein, Schnaps, Yogitee, Tabak... |
Und hier gelangen wir an einen Punkt, an dem sich die Empfehlungen traditioneller Heilweisen deutlich von Empfehlungen einer modernen, westlichen Ernährungsberatung unterscheiden. Denn in der Chinesischen Medizin beurteilen wir ein Lebensmittel nicht nach Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, sondern nach dessen Wirkung IM Körper und natürlich nach dessen Verdaubarkeit. Und da sind Lebensmittel, die bei uns wachsen, die regional und saisonal sind, allen, wirklich allen importierten Lebensmitteln vorzuziehen. Denn so ist die Schöpfung: Alles, was die Menschen in einer Region benötigen, wächst auch dort. Es sein denn, der Mensch greift in die Natur ein. Gewächshäuser sichern vielleicht unsere Nahrung. Wenn aber ein großer Teil Spaniens mit Glashäusern zugebaut wird, um Lebensmittel in großen Mengen zu produzieren, die aufgrund von Wetterverhältnissen niemals ganzjährig wachsen würden, ist das krankmachend - für Mensch und Natur.
Ich sage meinen Patienten immer, Ananas ist für die Menschen im Ananasland. Dort ist es heiß und die Menschen benötigen Lebensmittel, die sie abkühlen. Hierzulande jedoch, nun ja, hier ist es in 10 von 12 Monaten nicht wirklich heiß. Deshalb benötigen wir hauptsächlich Lebensmittel, die wärmend oder wenigsten thermisch neutral sind. Und dazu zählen leider nicht Ananas, Bananen, Orangen, Papaya oder Mangos. Aber Kartoffeln, Karotten, Linsen oder Lauch.
Generell ist also der Verzehr von thermisch kalt wirkenden Lebensmitteln in unseren Breitengraden eher belastend für die Gesundheit. Denn sie können eine Kühlung des Körpers und damit eine Schwächung des Stoffwechsels bewirken.
Hast du einen gesunden Stoffwechsel und ausreichend Verdauungsfeuer, bereitet es deinem Körper keine Probleme, wenn kalte Lebensmittel gelegentlich und in Maßen gegessen werden. Doch in der Realität sieht es anders aus. Symptome wie Blähungen, Verdauungsstörungen, Völlegefühl, kalte Hautstellen an Bauch, Beinen oder Po, kalte Hände und Füße oder ein allgemeines Kälte- und Schweregefühl sind nahezu die Regel bei Patienten, die in meine Praxis kommen.
Verzehre thermisch kalt wirkende Lebensmittel deshalb möglichst nur in kleinen Mengen und bereite das Gros deiner Mahlzeit aus thermisch neutral oder warm wirkenden Nahrungsmitteln zu, um deinen Stoffwechsel und die Wärmeprozesse zu unterstützen. Listen über die thermische Wirkung der Lebensmittel erhältst du im Handel.

Die Sache mit der Kuhmilch
Zu den kühlenden Lebensmittel zählen nicht nur alle Nahrungsmittel, die in subtropischen und mediterranen Breitengraden wachsen, sondern auch Kuhmilch. Egal ob kalte noch warme Kuhmilch. Und es ist auch egal, ob es heiße Milch mit Honig ist. Oder Kuhmilchprodukte wie Joghurt, Quark oder Käse. Oder überbackener Käse. All diese Lebensmittel wirken im Körper kühlend und können auf Dauer nicht nur das Verdauungsfeuer löschen, sondern auch die Bildung von Schleim begünstigen. Auch wenn sie warm und gekocht sind.
Es gibt einige wenige Krankheitsbilder, bei denen der Verzehr befeuchtender und kühlender Speisen gesundheitsfördernd ist. Das sind aber nicht die Frauen, die in meine Praxis kommen. Die sind meist verschleimt, verkühlt und oft erschöpft. Oder geschwollen. Alles Anzeichen für ein gelöschtes Verdauungsfeuer. Deshalb ist ein Ausspruch in der chinesischen Medizin: Ob ein Lebensmittel gesund ist oder nicht, ist davon abhängig, WER es isst. Es kommt darauf an, welches „Klima“ in deinem Körper herrscht. Und genau das entscheidet, was für dich gesund ist.
Pauschale Empfehlungen für Menschen im Deutschland-Klima
| Reduziere oder meide kühlende Lebensmittel |
Tipp: Du kannst die kühlende Wirkung durch langes Kochen und wärmende Gewürze ausgleichen. Gib deshalb beispielsweise für eine bekömmliche Tomatensauce viele Gewürze wie Thymian, Majoran, Oregano usw. dazu und lasse die Sauce lange köcheln. | |
|---|---|---|
| Nutze neutrale oder wärmende Lebensmittel |
|
Über die thermische Wirkung von Zitronen, Orangen und Co findest du Infos im Artikel "Vitamin C und Co: Fit-Food für ein gesundes Immunsystem?".
19.Juni 2025_____________________________
Literatur:
eigene Mitschriften aus Seminaren
Georg Weidinger: Die Heilung der Mitte
Wichtige Hinweise:
In meinem Blog 'Natürlich. Gut zu wissen' findest du vielfältige Informationen zur Naturheilkunde. Dabei handelt es sich um Theorien zur Naturheilkunde, um Rezepte, Anleitungen, um Anregungen für Ihre Gesundheit, Gedichte oder Gedanken.
Und da ich als Heilpraktikerin die Welt nicht nur mit wissenschaftlichen Augen sehe, sondern auch geist-seelischen Prozessen einen großen Platz einräume, unterscheiden sich meine Theorien und Empfehlungen in diesen Artikeln von der pathophysiologischen Lehrmeinung der Schulmedizin und werden von dieser auch nicht anerkannt.
Letztendlich beruhen die hier aufgeführten Theorien und Anleitungen auf Erfahrungen einiger naturheilkundlicher Therapeuten und sind wirklich nur als Empfehlungen zur Selbsthilfe gedacht. Auf keinen Fall ersetzen sie den Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker. Deshalb meine Bitte: Lass alle deine Beschwerden und Erkrankungen schulmedizinisch abklären, bevor du dich selbst behandelst.

