
Sunday, 23.11.2025
Dein Essen: Wie unser täglich Brot dich krank macht
von offline
Meine Oma sagte immer, das Brot habe sie vor dem Verhungern gerettet. Das war damals im Krieg. Auf der Flucht durch Kälte und Schnee. 80 Jahre ist das her. Und seitdem hat sich so viel geändert. Brot und Backwaren gibt es in Hülle und Fülle. Hergestellt aus Getreidemehlen in unterschiedlichsten Auszugsgraden und verarbeitet in sämtlichen Formen, Farben und Geschmacksrichtungen, mit und ohne Gluten, mit und ohne Körner, salzig, süß oder mit Käse überbacken. Für das trendige Gesundheitsbewusstsein sogar mit Möhren, Saaten, Quark oder Sprossen. Und wir Chinesen, also wir Therapeuten der alten Chinesischen Medizin, empfehlen nichts davon. Und das, obwohl Getreide bei uns zu den Hauptnahrungsmitteln gehört.
Warum das so ist, erzähle ich in diesem Artikel.
- Weizen
- Gluten: Es ist das Zuviel, die Seuche unserer Zeit
- Hefe: Blähstoffe für Backwaren und Bäuche
- Weizen hat eine Wirkung auf den Körper
- Fazit
- Mein Lieblingsbrot ohne Hefe, Triebmittel und Gluten

Weizen
Weizen gibt es schon ewig. Sein Anbau ist seit mindestens fünf Jahrtausenden belegt und damit gehört er zu den ältesten uns bekannten Getreidearten. Und ich bin fest davon überzeugt, dass diese Art von Urweizen perfekt war. Gesund, inhaltsreich und verträglich. Das, was der Weizen jedoch in den letzten 50 Jahren durchgemacht hat, ist eine gravierende Veränderung, um mehr und mehr Erträge zu gewährleisten. So wurden die Halme immer kürzer, die Ähren immer schwerer und voller und das in ihnen enthaltene Klebeeiweiß Gluten immer mehr. Das Resultat dieses Eingriffs in die Natur scheint perfekt, um den Hunger in der Welt und die stetig steigende Nachfrage zu stillen. Und zur Nachfrage zählen neben Brot auch Brötchen, Kuchen, Kekse und Torten. Diese lassen sich mit dem stark glutenhaltigen Weizenmehl besonders gut und fluffig backen. Jedoch mehren sich die Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln. Und daran ist der hochgezüchtete Weizen vielleicht nicht ganz unschuldig.
Gluten: Es ist das Zuviel, die Seuche unserer Zeit
Gluten ist ein Klebeweiweiß. Es sorgt dafür, dass das Gebäck nach dem Backen seine Form behält und leckeres, elastisches und saftiges Gebackenes ergibt. Je mehr Gluten, desto bessere Backeigenschaften. Und nicht nur Backwaren werden vermeintlich verbessert. Auch unendlich viele Fertigprodukte enthalten Gluten. Nicht nur diejenigen, die naturgemäß Weizen enthalten wie Nudeln, Salzstangen oder Müsli, Gluten findet sich auf der Zutatenliste nahezu eines jeden industriellen Produkts. Auch auf der von Pommes, Eis, Schokolade, Fischkonserven und sogar veganen Schnitzeln. Und das empfinde ich als DAS Problem. Das Zuviel. Zu viel Weizen, zu viel veränderter Weizen - und damit zu viel Gluten - finden sich morgens im Müsli, mittags als Couscous, Nudeln oder Pizza auf dem Teller und abends im Brot. Das strapaziert den stärksten Darm. Vor allem dann, wenn zusätzlich noch Zucker, Zusatzstoffe und Arzneimittel dazukommen, Ballaststoffe jedoch dafür wegfallen.
Hefe: Blähstoffe für Backwaren und Bäuche
Für so richtig fluffiges Brot braucht es ein Triebmittel, denn sonst wird das Gebäck eher zu einem Fladen. Platt und zäh. Hefe macht aus wenig Teig viel Gebäck, indem sie beim Gären kleine Luftbläschen erzeugt. Je mehr Hefe, desto mehr Luftbläschen. Und je mehr Hefe, desto kürzer ist die benötigte Zeit für bauschige Backwaren. Viel Hefe ermöglicht kurze Gärzeiten. Und Zeit haben wir ja nicht. Unsere Backwaren sind als Schnellbackwaren kurzfristig verfügbar. Mit viel Hefe darin. Und das kann bei empfindlichen Menschen zu Blähungen, Völlegefühl und Stoffwechselstörungen führen. Von der Chemie, die eingesetzt wird, um Brötchenrohlinge im Backgeschäft jederzeit fertig backen zu können, mal ganz abgesehen.
Allerdings geht es auch anders. Ich kenne Bäckereien, denen das Handwerk noch wichtig ist. Die dem Teig Zeit gönnen, um aufzugehen und zu reifen. Auch Brot, das Sauerteig als Triebmittel enthält, ist besser bekömmlich, denn Sauerteig enthält eine Symbiose von Milchsäurebakterien und Hefepilzen, die seit Jahrtausenden für Getreidefladen und Brot eingesetzt wird. Sauerteig benötigt zur Bildung der Kohlensäurebläschen, die den Teig fluffig machen, jedoch mehr Zeit und ist etwas rustikaler und deftiger im Geschmack.

Weizen hat eine Wirkung auf den Körper
Nicht nur Weizen, sondern alles, was du isst und trinkst, hat eine Wirkung im Körper. Nicht nur eine sättigende oder durstlöschende, sondern eine Wirkung auf den Stoffwechsel, auf die Organe und auf das "Klima"* im Organismus. Nach der Chinesischen Medizin wirkt Weizen kühlend und befeuchtend**. Und damit wird er bei hitzigem Befinden mit Schlaflosigkeit, trockenen Schleimhäuten oder Hitzewallungen empfohlen. Allerdings nicht bei schleimigen Erkrankungen wie Naselaufen, Polypen oder sonstigem Ausfluss, und auch nicht bei Gewichtszunahme, Ödemen oder Knötchen und Tumoren.
Insofern differenziert die Chinesische Medizin die Empfehlungen von Lebensmitteln und stellt sie immer in eine Beziehung zu dem Menschen, der sie isst. Aber egal, ob die Chinesische Medizin Weizen empfiehlt oder von seinem Verzehr abrät, sie bezieht sich dabei immer auf die ganzen, gekochten Körner aus vollem Korn*** und niemals auf Tüten-Weißmehl. Das ist leider immer schleimend und sollte wirklich nur gelegentlich den Weg auf deinen Teller finden.
Was ich in meiner Praxis feststelle, ist, dass die schleimigen Erkrankungen in den letzten Jahren zugenommen haben. Schon Kleinkinder zeigen sie in Symptomen von Schniefen und Milchschorf, aber auch sonst sind Wassereinlagerungen bei PMS, Akne oder Gewichtszunahme nur die Spitze des Eisbergs. Zur Verteidigung des Weizens muss ich hier allerdings erwähnen, dass er nicht der alleinige Übeltäter für diese Symptome ist. Zucker steht im Ranking der schädigenden Einflüssen sogar noch vor dem Weizen. Aber das ist ein anderes Thema.
Fazit
Die Chinesische Medizin ist keine Modeerscheinung. Sie ist kein Hype. Ihre Empfehlungen gelten seit Jahrtausenden und sind nah an der Natur orientiert. Aber verboten wird hier nichts. Die Chinesische Medizin lädt dich ein, dir deine Nahrung bewusst zu machen und diejenigen Lebensmittel, die deiner Gesundheit nicht dienen, zu reduzieren. Iss Pizza. Iss Nudeln oder Brezel. Oder Torte. Aber nur in kleinen Mengen und nicht täglich. Und schon gar nicht mehrmals am Tag. Möchtest du gern Brot essen, wähle Brot, das eine lange Reife- und Gärzeit hat, das viel Qualität und dafür keine Zusatzstoffe hat. Am besten vom Bäcker, der sein Handwerk als Berufung sieht. Du hast immer die Wahl.
Wenn du ungern auf Brot verzichtest, versuche folgende Tricks:
- Kaufe dein Brot beim Bäcker, der sein Handwerk liebt und auf Backmischungen und damit auf etliche Zusatzstoffe verzichtet.
- Bevorzuge Sauerteigbrot, es ist besser bekömmlich.
- Bevorzuge Mischbrot oder fein gemahlenes Brot, wenn Vollkornbrot bei dir wegen eines schwachen Verdauungstrakts zu Blähungen führt.
- Toaste dein Brot, auch das hilft, die befeuchtende Wirkung auf den Körper zu verringern.
- Iss zum Brot immer eine saftige gekochte Speise wie Suppe oder Eintopf. Oder umgekehrt: Zur Suppe und zum Eintopf ist Brot immer erlaubt.
- Iss seltener Brot und ersetze es durch eine warme, gekochte Mahlzeit.

Mein Lieblingsbrot ohne Hefe, Triebmittel und Gluten
Zutaten
120g Haferflocken ganz (ggf. glutenfrei)
120g Haferflocken fein gemahlen (ggf. glutenfrei)
200g Sonnenblumenkerne
80g Leinsamen ganz
80g Leinsamen geschrotet
80g Kürbiskerne
30g Chiasamen
30g Flohsamenschalen
1 ½ Tl Salz
2 El Öl
500 - 560 ml lauwarmes Wasser
Mischen und Backen
Alles miteinander vermischen und in eine eingeölte Form geben. Ich verwende drei 580ml Gläser von Weck****, weil dadurch so schöne, runde Scheiben entstehen. Es geht aber auch jede andere Form, beispielsweise eine Königskuchen- oder Brotform.
Den Teig in der eingeölten Form 1 bis 2 Stunden quellen lassen und anschließend im
--> vorgeheizten Ofen bei 200°C Ober- und Unterhitze
--> 70 Minuten backen.
TIPPS
Gib zum Teig können weitere Zutaten wie Nüsse, Samen, Sprossen… Ganz nach deinem Geschmack.
Wenn du Weckgläser benutzt:
- Den Gitterrost vor dem Aufheizen des Backofens herausnehmen, denn werden die Gläser auf den heißen Rost gestellt, können sie durch den großen Temperaturunterschied springen.
- Du kannst natürlich auch ein größeres Weckglas nehmen, achte aber darauf, dass die Öffnung größer als der Boden ist, sonst gleitet das fertige Brot nicht heraus.
- Zum Herauslösen des Brotes einfach mit einem Messer am Glasrand entlangfahren.
- Verschließt du die Weckgläser nach dem Backen mit einem Gummi und Deckel, hält sich das Brot im Kühlschrank über ein bis zwei Wochen.
Oktober 2025______________________
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Über das Klima im menschlichen Körper habe ich in diesen Artikeln etwas geschrieben:
Dein Essen: Kaltes vs. Warmes
Dein Stoffwechsel - Basics für deine Gesundheit
**
Kühlend bedeutet, dass vorhandene Hitze im Körper neutralisiert wird. Ist aber keine Hitze vorhanden oder werden kühlende Lebensmittel (Milchprodukte, Südfrüchte) im Übermaß verzehrt, kann das Verdauungsfeuer geschädigt und damit der ganze Stoffwechsel beeinträchtigt werden.
Befeuchtend bedeutet, dass Trockenheit neutralisiert wird. Ist jedoch keine Trockenheit vorhanden oder werden befeuchtende Lebensmittel (Weizen, Zucker) im Übermaß verzehrt, kann der Stoffwechsel gestört und Lebensmittel nicht vollständig verstoffwechselt werden. Sie bleiben dann als Schlackenstoffe im Körper zurück. Manchmal kann der Körper sie in Form von Sekretionen ausleiten, ansonsten werden sie als Nässe abgelagert. Nässe wandelt sich im Laufe der Zeit um zu Schleim und zeigt sich dann als Gallenstein, erhöhten Cholesterinspiegel, Lipom, Bauchfett usw.
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Was ich zu Getreide und Körner geschrieben habe, kannst du in dem Artikel "Dein Essen: Getreide vs. Low carb" lesen.
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Das soll keine Werbung sein, ich kenne nur keine alternativen Gläser...
Quellen
Checkliste Chinesische Diätetik; ISBN 978-3-8304-7394-7
https://www.ernaehrungsberatung-wien.at/blog/unser-taeglich-brot-stellenwert-der-tcm-ernaehrung
https://de.wikipedia.org/wiki/Sauerteig
und wie immer findest du viel zu dem Thema bei Georg Weidinger: Der goldene Weg der Mitte
Wichtige Hinweise:
In meinem Blog 'Natürlich. Gut zu wissen' findest du vielfältige Informationen zur Naturheilkunde. Dabei handelt es sich um Theorien zur Naturheilkunde, um Rezepte, Anleitungen, um Anregungen für Ihre Gesundheit, Gedichte oder Gedanken.
Und da ich als Heilpraktikerin die Welt nicht nur mit wissenschaftlichen Augen sehe, sondern auch geist-seelischen Prozessen einen großen Platz einräume, unterscheiden sich meine Theorien und Empfehlungen in diesen Artikeln von der pathophysiologischen Lehrmeinung der Schulmedizin und werden von dieser auch nicht anerkannt.
Letztendlich beruhen die hier aufgeführten Theorien und Anleitungen auf Erfahrungen einiger naturheilkundlicher Therapeuten und sind wirklich nur als Empfehlungen zur Selbsthilfe gedacht. Auf keinen Fall ersetzen sie den Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker. Deshalb meine Bitte: Lass alle deine Beschwerden und Erkrankungen schulmedizinisch abklären, bevor du dich selbst behandelst.

