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Friday, 29.04.2022

Frühlings-Fasten auf Chinesisch

von Melanie Aue

Durch ihren Lauf zau­bert die Sonne das ge­heim­nis­vol­le Wun­der des Wer­dens und des Ver­ge­hens, des Kli­mas und der Jah­res­zei­ten. Sie weckt nach jeder Nacht den Tag und nach jedem Win­ter den Früh­ling. Durch un­se­re Ein­ge­bun­den­heit in die Rhyth­men der Natur er­lebt unser Kör­per Ver­än­de­run­gen im Jah­res­lauf. So ist der Win­ter, wenn sich die Natur zu­rück­zieht, um Kräf­te für das neue Jahr zu sam­meln, auch für uns Men­schen eine Zeit der Stil­le und des Rück­zugs. Im Som­mer da­ge­gen ste­hen die Lei­den­schaft und Fort­pflan­zung im Vor­der­grund.

 

on uns­plash by TOMOKO UJI - thanks):

 


Frü­he­re Kul­tu­ren be­ob­ach­te­ten in­ten­siv die Natur im Jah­res­lauf, nicht zu­letzt wegen ihrer Ab­hän­gig­keit vom Wach­sen und Ver­meh­ren der Pflan­zen. Im Lauf der Sonne er­kann­ten sie eine Kraft, die auch auf das Wachs­tum der Mensch­heit ein­wirkt - auf kör­per­li­cher und auf geis­ti­ger Ebene. Denn die Be­zie­hung zwi­schen Sonne und Erde spie­gelt sich im Men­schen zwi­schen Kör­per und Seele wider. Und so gibt es genau de­fi­nier­ba­re Zei­ten, in denen die Stär­kung or­ga­ni­scher Funk­tio­nen vor­teil­haft ist und es gibt Zei­ten, in denen be­stimm­te Le­bensthe­men einen Ein­fluss auf un­se­re Ent­wick­lung haben.  

 

 

Der Früh­ling...

Kaum nimmt die Kraft der Sonne wie­der spür­bar zu, er­wa­chen die Pflan­zen zu neuem Leben. Die star­ren Struk­tu­ren des Win­ters be­gin­nen sich auf­zu­lö­sen und die Welt be­ginnt zu sprie­ßen. Und so wie der na­tür­li­che Bio­rhyth­mus der Pflan­zen­welt sich auf den Som­mer ein­stellt, so ist es auch für die Men­schen­welt eine Zeit, in der die Säfte zu flie­ßen be­gin­nen und die Ge­füh­le er­wa­chen.

In der alten Zeit war der Früh­ling das Sinn­bild für Neu­be­ginn. Das neue Jahr be­gann in alt­rö­mi­scher Zeit bis zum Jahre 153 v. Chr. im März - zu­sam­men mit dem Er­wa­chen in der Natur. Am 21. März, dem Tag der Tag- und Nacht­glei­che, zeigt der Früh­ling end­gül­tig sie sich neu vor­herr­schen­de Kraft des Lichts. Die­ses Sprie­ßen und diese aus­trei­ben­den Kräf­te wer­den un­ter­stützt vom Tier­kreis­zei­chen des Wid­ders, der als Licht­brin­ger sinn­bild­lich die Tür zur Sonne und zum Leben auf­stößt. 

 

...und das Fas­ten

Es ist Jahr­tau­sen­de her und zieht sich wie ein roter Faden durch alle Kul­tu­ren: Der Ge­dan­ke, schäd­li­che Stof­fe aus dem Kör­per zu ent­fer­nen, auf dass der Mensch wie­der ge­sund werde.

Die Metho­den al­ler­dings va­ri­ie­ren. Wäh­rend die Chi­ne­sen der Vor­zeit mit spit­zen Kno­chen Lö­cher an be­stimm­te Kör­per­stel­len bohr­ten, damit der böse Geist ent­wei­che, hiel­ten es un­se­re Vor­fah­ren eher mit Brech- und Ab­führ­mit­teln, mit Ader­lass oder dem Set­zen von so­ge­nann­ten Fon­ta­nel­len. Eine Fon­ta­nel­le nann­te man eine künst­lich her­bei­ge­führ­te Wunde, deren Hei­lung ver­hin­dert wurde. So legte man Knö­chel­chen, Glas oder auch Haare in die Wunde, damit sich Eiter bil­de­te, mit dem die schäd­li­chen und krank­ma­chen­den Säfte aus dem Kör­per ge­lei­tet wur­den.
Was sich haar­sträu­bend an­hört, war auch tat­säch­lich so. Und das ist der Grund, wes­halb diese Tech­ni­ken heute nicht mehr an­ge­wen­det wer­den.

 

Ent­schla­cken auf Chi­ne­sisch

In der Chi­ne­si­schen Me­di­zin be­trach­tet man das Thema Aus­lei­tung ganz an­ders, also ei­gent­lich hat sich die Chi­ne­si­sche Me­di­zin nie mit dem Thema Ent­säue­rung und Ent­schla­ckung be­schäf­tigt. Denn im Grun­de gibt es nur zwei Mög­lich­kei­ten, was mit der Nah­rung im Kör­per ge­sche­hen soll: Ent­we­der sie wird zur Ener­gie = Qi und zu Sub­stanz für den Kör­pe­r­auf­bau um­ge­wan­delt oder, und das be­trifft die un­brauch­ba­ren Reste, sie ver­lässt den Kör­per wie­der über den Stuhl, den Urin und den Schweiß.

Für die Höchst­leis­tung, aus der Nah­rung das Qi zu schöp­fen und die un­brauch­ba­ren An­tei­le zu ent­sor­gen, be­nö­tigt der Mensch ge­sun­de und kräf­ti­ge Stoff­wech­sel­or­ga­ne und damit eine ge­sun­de und kräf­ti­ge Mitte. Ist die Mitte ge­sund und kräf­tig, führt sie all das in die Aus­schei­dungs­we­ge, was den Kör­per be­las­ten könn­te. Was der Mitte al­ler­dings gar nicht gut tut, sind kalte und rohe Nah­rungs­mit­tel und vor allem Zu­cker! Zu­cker schä­digt und schwächt die Mitte der­art, dass sie ihre Funk­tio­nen, also auch die Aus­lei­tungs­funk­tio­nen, nicht ad­äquat durch­füh­ren kann.

 

So er­ken­nen Sie einen schwa­chen Stoff­wech­sel

 

Nach außen zeigt sich eine schwa­che Mitte durch un­ge­form­ten, wei­chen oder kleb­ri­gen Stuhl­gang, durch Blä­hun­gen, Un­wohl­sein, Flüs­sig­keits­an­samm­lun­gen wie Ödeme, bei­spiels­wei­se an Knö­cheln oder Hän­den, und durch Mü­dig­keit, Schlapp­heit oder Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­che.

 

Fas­ten und das QI

Das Qi ist letzt­end­lich das, was den Kör­per le­ben­dig macht. Ohne Nah­rung wird es je­doch schwie­rig mit der Bil­dung von Qi. Um den Ener­gief­luss in Hun­ger­zei­ten im Kör­per auf­recht zu er­hal­ten, muss die Niere der Milz ein biss­chen ihrer gut be­hü­te­ten Le­bens­es­senz ab­ge­ben. Der Kör­per muss an seine Ener­gie­re­ser­ven gehen, die letzt­end­lich über die Vi­ta­li­tät und Lang­le­big­keit des Men­schen be­stim­men. Hun­gern ver­braucht dem­nach Es­senz, Hun­gern geht an die Sub­stanz. Und das ist der Grund, wes­halb die Chi­ne­sen keine wirk­li­che Lei­den­schaft für das Fas­ten zei­gen.

  • Eine Ent­schla­ckungs­kur auf Chi­ne­sisch be­deu­tet essen;-). Und zwar von Obst, Ge­mü­se und Ge­trei­de, das warm, ge­dämpft oder ge­kocht ist, das mög­lichst sai­sonal und re­gio­nal ist und aus bio­lo­gi­schem Anbau stammt.
    Um den Ver­dau­ungs­vor­gang nicht zu stö­ren, soll­ten Sie, wenn es Ihre Kon­sti­tu­ti­on zu­lässt, nur drei Mahl­zei­ten am Tag zu sich neh­men und auf Zwi­schen­mahl­zei­ten ver­zich­ten.
  • Um die Ver­dau­ungs­or­ga­ne nicht zu be­las­ten und einen rei­bungs­lo­sen Ver­dau­ungs­vor­gang zu för­dern, soll­te das Essen gut ge­kaut und ein­ge­spei­chelt wer­den und nur warm in den Magen ge­lan­gen, denn „al­les, was in den Magen kommt, soll warme Suppe sein“,  wie die Chi­ne­sen sagen.
  • Be­ach­ten Sie beim Ein­kauf bitte, dass alle Sor­ten, die sai­sonal und re­gio­nal sind und bes­ten­falls aus öko­lo­gi­scher Land­wirt­schaft stam­men, deut­lich ge­sün­der sind, als im­por­tier­te und un­reif ge­ern­te­te Ware.
  • Und dabei soll das Essen nicht nur satt ma­chen, son­dern auch Freu­de be­rei­ten. Seien Sie krea­tiv. Wür­zen Sie mit fri­schen oder ge­trock­ne­ten Kräu­tern, va­ri­ie­ren Sie Obst und Ge­mü­se, rich­ten Sie das Essen ap­pe­tit­lich an und sor­gen Sie für eine At­mo­sphä­re, in der Sie sich wohl­füh­len.

 

Er­laub­te Le­bens­mit­tel

Reis, wenn mög­lich Voll­korn
Ge­mü­se
hoch­wer­ti­ges Oli­ven- oder Se­sam­öl
Kräu­ter und wenig Meer­salz

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Wich­tig ist es, den Reis aus­rei­chend lange ohne Salz zu ko­chen, min­des­tens 30 Mi­nu­ten. (Die Chi­ne­sen ko­chen ihr Ge­trei­de teil­wei­se über zwei Stun­den… wobei einem das Re­sul­tat schon sehr be­fremd­lich vor­kommt.) Nach dem Ko­chen darf der Reis mit Bio-Salz und mit Kräu­tern leicht ge­würzt und mit etwas kalt­ge­press­tem Öl ab­ge­run­det wer­den.

Im Fol­gen­den kön­nen Sie, ihrem Typ ent­spre­chend, eine Kur aus­su­chen, die Sie 3-4 Tage ein­hal­ten soll­ten. Beide Kuren stär­ken die Ener­gie der Stoff­wech­sel­or­ga­ne und för­dern da­durch die Ent­schla­ckung und Ent­gif­tung des Kör­pers. Und das, ohne ihn durch Fas­ten oder Me­di­ka­men­te zu be­las­ten.

Kur für
hit­zi­ge und warme Men­schen

  • Mor­gens und mit­tags Reis mit Mung­boh­nen. Wür­zen Sie nur leicht mit Kur­ku­ma oder Ko­ri­an­der. Dazu gibt es eine klei­ne Menge Roh­kost.
  • Abends ge­dämpf­tes Ge­mü­se, eine Ge­mü­se­sup­pe  oder wie­der­um etwas Roh­kost.
  • Trin­ken Sie über den Tag ver­teilt aus­rei­chend ab­ge­koch­tes Was­ser, Grün­tee, Brenn­nes­sel­tee, Mais­haar­tee oder Lö­wen­zahn­tee.

Kur für frös­te­li­ge und stoff­wech­sel­schwa­che Men­schen

  • Mor­gens und mit­tags ge­koch­ter Reis. Die­sen leicht mit Kreuz­küm­mel, Thy­mi­an, Pe­ter­si­lie oder Ing­wer wür­zen. Dazu ge­koch­tes oder ge­dämpf­tes Ge­mü­se und, wenn Sie mögen, auch To­fu­wür­fel.
  • Abends ge­dämpf­tes Ge­mü­se oder eine Ge­mü­se­sup­pe mit Ing­wer.
  • Trin­ken Sie über den Tag ver­teilt aus­rei­chend ab­ge­koch­tes Was­ser, Kar­da­mom­tee oder Ing­wer­tee.

Mei­den Sie bitte wäh­rend der Kur:

Zu­cker
Fleisch und Wurst
Milch­pro­duk­te
Fer­tig­pro­duk­te
Al­ko­hol
Gifte wie Kaf­fee, Ni­ko­tin, Sti­mu­lan­zi­en usw.

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Wichtige Hinweise:

In meinem Blog 'Natürlich. Gut zu wissen' findest du vielfältige Informationen zur Naturheilkunde. Dabei handelt es sich um Theorien zur Naturheilkunde, um Rezepte, Anleitungen, um Anregungen für Ihre Gesundheit, Gedichte oder Gedanken.

Und da ich als Heilpraktikerin die Welt nicht nur mit wissenschaftlichen Augen sehe, sondern auch geist-seelischen Prozessen einen großen Platz einräume, unterscheiden sich meine Theorien und Empfehlungen in diesen Artikeln von der pathophysiologischen Lehrmeinung der Schulmedizin und werden von dieser auch nicht anerkannt.

Letztendlich beruhen die hier aufgeführten Theorien und Anleitungen auf Erfahrungen einiger naturheilkundlicher Therapeuten und sind wirklich nur als Empfehlungen zur Selbsthilfe gedacht. Auf keinen Fall ersetzen sie den Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker. Deshalb meine Bitte: Lass alle deine Beschwerden und Erkrankungen schulmedizinisch abklären, bevor du dich selbst behandelst.


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